Geschichte
Ortsname Praden
Im Dorfnamen Praden ist einer der wenigen romanischen Flurnamen im hiesigen Siedlungsraum erhalten geblieben: Prada, romanisch für Wiese. Ab etwa 1300 brachten die von Davos her einwandernden Walser ihren deutschen Dialekt ins Tal und prägten fortan die Umgangssprache. Die romanische Form Prada wurde noch lange in Urkunden verwendet und erscheint heute wieder als walserische Mundartschreibweise.
Politik und Verwaltung
Die ersten Walserfamilien lebten im Gebiet des heutigen Dorfes auf zwei verlassenen romanischen Höfen, die ihnen durch die Domherren in Chur als Erblehen zugesprochen worden waren. Sie bauten sich hier eine neue Existenz auf.
Politisch gehörte die Nachbarschaft Praden als weitgehend selbstverwaltete Dorfgemeinschaft zum Gericht Langwies, ab 1852 als Gemeinde Praden zum Kreis Churwalden. 2009 wurde Praden Teil der Fusionsgemeinde Tschiertschen-Praden. Seit der Fusion mit der Stadt Chur im Jahr 2025 ist Praden ein Quartier der Stadt Chur.
Bevölkerung und Gäste
Seit der Besiedlung der Talschulter auf der Litzisiita des Schanfiggs durch die Walser liessen sich neben den alteingesessenen Familien bis Ende des 19. Jahrhunderts nur wenige neue Familien nieder. Dies änderte sich mit der Entwicklung des Tourismus in Graubünden.
In Praden entstanden Gasthäuser und Pensionen, und in vielen Häusern wurden Zimmer und Ferienwohnungen angeboten. Viele Gäste kamen über Jahrzehnte immer wieder, teilweise über mehrere Generationen hinweg. Einige erwarben später frei gewordene Liegenschaften im Dorf. Gleichzeitig werden heute einige alte Häuser von Nachkommen früherer Prader Familien als Feriendomizil genutzt und gepflegt.
Landwirtschaft
Die Walser fanden im Schanfigg als Bauern neuen Lebensraum. Wichtigstes Standbein war von Beginn an die Viehwirtschaft, ergänzt durch den Anbau von Nahrungsmitteln und weiteren Produkten für eine möglichst weitgehende Selbstversorgung: Gerste, Hanf, später Kartoffeln und wenig winterresistentes Obst, vor allem Kirschen.
An dieser Bodennutzung änderte sich lange Zeit wenig. Erst mit der Mechanisierung veränderten sich die landwirtschaftlichen Betriebe stark. Um 1960 tauchte in Praden der erste Motrac auf, bald ergänzt oder abgelöst durch Mähmaschinen, Mistschlitten mit Seilwinden, Schilter-Transporter, Häxebäse, Heuraupen, Laubbläser und Heubelüftungen.
1994 stellte Joos Clement als Erster seinen Hof von Milch- auf Fleischproduktion und damit auf Mutterkuhhaltung um. Der Ackerbau ist heute verschwunden, die Gemüsegärten sind kleiner und weniger geworden. Die Zahl der ursprünglich neun Prader Bauernbetriebe sank bis 1960 auf sechs. Im Jahr 2025 bestehen noch zwei.
Dorfbild
Im Dorfbild Pradens ist die Struktur der walserischen Streusiedlung bis heute gut erkennbar: Wohnbauten mit horizontal strukturierten Fassaden und hellen gemauerten Sockelgeschossen wechseln sich mit urchigen Stallbauten aus Rundholz ab. Hausgärten und einzelne Fruchtbäume, besonders Kirschen und Holunder, prägen das Bild zusätzlich.
Auffallend sind die um die Mitte des 19. Jahrhunderts erstellten sogenannten Niggli-Häuser mit ihren dekorativen, weithin sichtbaren Haussprüchen. Ehemalige Ackerflächen in kurzer Gehdistanz zu den Wohnhäusern sind in der Topografie des Geländes noch erkennbar.
In Innerpraden ziehen die denkmalgeschützte Kirche, erbaut 1629 bis 1642, und das nach der Jahrhundertwende entstandene Schulhaus den Blick auf sich. Zur selben Zeit entstanden das Kurhaus und das Gasthaus Krone als eigentliche touristische Bauten. Neuere Wohn- und Ferienhäuser haben sich weitgehend in das ursprüngliche Dorfbild integriert.
Vom Verkehrsverein zum Verein "Lebendiges Praden"
Der Verkehrsverein Praden entstand 1912 und wurde 26 Jahre lang vom Gründerpräsidenten Philipp Lys (1876–1954) geleitet. Als Besitzer des Kurhauses Praden war ihm vor allem die touristische Werbung für Pensionen und Fremdenzimmer ein Anliegen.
1936 setzte sich der Verein neue Ziele. Das Zusammenleben von Einheimischen, Zweitheimischen und Gästen rückte stärker in den Vordergrund. Die Organisation der 1.-August-Feier, des Chriesisunntigs, eines jährlichen Ausflugs sowie die Pflege von Wanderwegen und Ruhebänken wurden gemeinsam angegangen.
Die guten Kontakte ins Unterland ermöglichten 1971 die Erneuerung der maroden Stromversorgung mit finanzieller Unterstützung aus einem Teilerlös des Zürcher Seenachtsfests.
Der 2025 neu gegründete Verein "Lebendiges Praden" nimmt neben seiner vermittelnden politischen Funktion als Quartierverein der Stadt Chur auch die gesellschaftlichen Anliegen des Dorfes wieder auf.
Wichtigste Jahreszahlen
- 1657–1851: Nachbarschaft des Gerichts Langwies
- 1851–2015: Gemeinde im Kreis Churwalden, später Bezirk Plessur
- 1887–1894: Bau der Strasse Chur–Tschiertschen, erste Verbreiterung 1919
- 1915: Einführung der Elektrizität
- 1925: Postautoverbindung
- 1951: Fliessendes Wasser
- 1958: Erste Renovation der Kirche
- 1982: Renovation des Schulhauses
- 1983: Zweite Renovation der Kirche
- 2003: Letzte Bsatzig in Praden
- 2009: Gemeindefusion Tschiertschen-Praden
- 2025: Eingemeindung in die Stadt Chur als Quartier Praden
Einwohnerzahlen
150 (1803), 144 (1850), 131 (1900), 98 (1950), 51 (1980), 101 (2000), 102 (März 2026)
Praden im Frühjahr 2026, Ruth Strassmann, Andreas Jenny